Wer heute einen Streamingdienst abonnieren will, steht vor einer unübersichtlichen Auswahl. Netflix, Amazon Prime Video, Disney+, Apple TV+, Paramount+ und Max buhlen um die gleichen Haushaltsbudgets. Dazu kommen regionale Anbieter wie Joyn oder der ORF-Player. Die monatlichen Kosten summieren sich schnell, wenn man nicht aufpasst. Wer also wirklich die Nase vorne hat, hängt davon ab, was man sucht: günstige Konditionen, eine breite Inhaltsbibliothek, hochwertige Eigenproduktionen oder Live-Sport.
Marktführer Netflix: Groß, aber unter Druck
Netflix ist nach wie vor der meistgenutzte Streamingdienst weltweit. Ende 2023 zählte das Unternehmen rund 260 Millionen zahlende Abonnenten. In Deutschland, Österreich und der Schweiz liegt Netflix konstant auf Platz eins der Nutzungsstatistiken. Das Standardabo kostet aktuell 13,99 Euro pro Monat, das Premium-Abo 17,99 Euro. Wer bereit ist, Werbung zu schauen, zahlt 4,99 Euro.
Der Druck kommt von mehreren Seiten. Netflix hat die Möglichkeit des Passwort-Sharings eingeschränkt, was zunächst zu Kündigungswellen führte, langfristig aber die Einnahmen stabilisierte. Gleichzeitig investiert das Unternehmen jährlich etwa 17 Milliarden Dollar in neue Inhalte. Serien wie „The Crown“, „Squid Game“ oder „Wednesday“ zeigen, dass Netflix weiterhin Produktionen hinbekommt, über die alle reden. Die Bibliothek umfasst mittlerweile über 5.500 Titel allein in Deutschland.
Amazon Prime Video: Mehr als ein Zusatz
Amazon Prime Video wird oft unterschätzt, weil das Streaming im Prime-Paket enthalten ist und viele Nutzer es als Nebenprodukt wahrnehmen. Dabei hat Amazon in den letzten Jahren massiv aufgeholt. „The Boys“, „Reacher“ und „Fallout“ zählen zu den meistgesehenen Serien überhaupt. Das Budget für die „Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“-Serie belief sich allein auf rund eine Milliarde Dollar für die erste Staffel.
Der Preis ist mit 8,99 Euro pro Monat konkurrenzfähig, zumal man damit auch kostenlosen Versand, Prime Music und Prime Reading bekommt. Der Nachteil: Viele aktuelle Kinofilme sind bei Amazon nur gegen Aufpreis verfügbar, was schnell zu Verwirrung führt. Die Nutzeroberfläche bleibt gewöhnungsbedürftig.
Disney+: Stark bei Franchises, schwächer bei Erwachsenenthemen
Disney+ hat sich in kurzer Zeit als ernstzunehmender Konkurrent etabliert. Der Dienst bündelt Inhalte aus dem gesamten Disney-Konzern: Marvel, Star Wars, Pixar, National Geographic und das klassische Disney-Universum. Für Familien mit Kindern ist das kaum zu schlagen. Die Serien rund um das Marvel Cinematic Universe funktionieren nur richtig, wenn man Disney+ abonniert hat.
Für Zuschauer ohne Interesse an Superhelden oder Animationsfilmen ist das Angebot allerdings dünner. Disney hat zwar mit dem Star-Bereich versucht, erwachsenes Publikum anzusprechen, aber die Auswahl ist dort begrenzter als bei Netflix oder Amazon. Das Abo kostet 8,99 Euro ohne Werbung, 5,99 Euro mit Werbung. Wer nach interessante TV Serien sucht, die über das Fantasy- und Superhelden-Genre hinausgehen, wird bei Disney+ seltener fündig als bei der Konkurrenz.
Apple TV+ und Max: Qualität versus Quantität
Apple TV+ verfolgt eine andere Strategie als alle anderen. Statt einer riesigen Bibliothek setzt Apple auf wenige, aber aufwendig produzierte Eigenproduktionen. „Severance“, „The Morning Show“ und „Slow Horses“ gehören zu den meistgelobten Serien der letzten Jahre. Das Abo kostet 9,99 Euro pro Monat, Älteres ist kaum vorhanden. Wer ein neues Apple-Gerät kauft, bekommt häufig mehrere Monate gratis dazu. Die Strategie funktioniert als Ergänzungsabo, aber selten als einziger Dienst.
Max ist der Nachfolger von HBO Max und in Europa noch im Aufbau. Der Dienst bringt das gesamte HBO-Repertoire mit: „Game of Thrones“, „The Wire“, „Succession“ und aktuelle Produktionen wie „The Last of Us“. HBO gilt als Qualitätsmarke, die seit Jahrzehnten für anspruchsvolles Serienfernsehen steht. In Deutschland ist Max seit 2024 verfügbar und kostet zwischen 5,99 und 13,99 Euro pro Monat. Wer Wert auf cineastische Qualität legt, kommt an Max kaum vorbei.
Ein Blick auf die Zahlen
| Anbieter | Preis (ohne Werbung) | Stärke |
|---|---|---|
| Netflix | ab 13,99 €/Monat | Breites Eigenproduktions-Portfolio |
| Amazon Prime Video | ab 8,99 €/Monat | Preis-Leistung, Prime-Bundle |
| Disney+ | ab 8,99 €/Monat | Franchise-Inhalte, Familien |
| Apple TV+ | 9,99 €/Monat | Wenige, dafür sehr hochwertige Serien |
| Max | ab 5,99 €/Monat | HBO-Qualität, anspruchsvolle Inhalte |
Worauf es letztlich ankommt
Die Frage, welcher Streamingdienst die Nase vorne hat, lässt sich nicht pauschal beantworten. Netflix bleibt der Universaldienst für alle, die nicht lange nachdenken wollen. Amazon lohnt sich für Prime-Abonnenten fast automatisch. Disney+ ist unschlagbar für Familien, Apple TV+ für seriensüchtige Qualitätsfanatiker, Max für HBO-Fans.
Wer clever wirtschaftet, kombiniert zwei Dienste und wechselt das zweite Abo regelmäßig. Viele Serien lassen sich innerhalb weniger Wochen durchschauen, danach kündigt man und wechselt zur nächsten Plattform. Das Modell der Monatskündigung ohne Vertragsbindung macht das möglich. Wer beispielsweise „The Last of Us“ auf Max abschließen will, kann danach direkt zu Apple TV+ wechseln, um „Severance“ nachzuholen.
Was sich deutlich abzeichnet: Der Markt konsolidiert sich. Kleinere Dienste werden entweder aufgekauft oder sterben. Die großen Vier werden bleiben. Wer nicht alles abonnieren will, muss Prioritäten setzen. Und das ist eigentlich eine gute Nachricht für Verbraucher: Der Wettbewerb zwingt alle Anbieter dazu, besser zu werden.


