Wer morgens unter der Dusche steht und das Wasser nicht abläuft, denkt zuerst an eine verstopfte Leitung. Wer schwarze Flecken in der Zimmerecke entdeckt, tippt auf Schmutz. Beides sind harmlose Erklärungen für Probleme, die in Kombination deutlich ernsthafter sind. Dauerfeuchte Räume und schlecht entwässernde Abflüsse schaffen ein Milieu, in dem Schimmelpilze und Bakterien nicht nur gedeihen, sondern sich über Monate hinweg unbemerkt ausbreiten können.
Wie Feuchtigkeit in der Wohnung entsteht
Ein Erwachsener gibt täglich zwischen einem halben und einem Liter Wasser über die Haut ab. Kochen, Duschen, Wäschetrocknen in der Wohnung, selbst das Atmen, all das erhöht die relative Luftfeuchtigkeit. Liegt sie dauerhaft über 65 Prozent, beginnen organische Materialien wie Tapeten, Holz und Putz Feuchtigkeit zu speichern. Ab 70 Prozent ist das Wachstum von Schimmelpilzen nahezu unvermeidlich.
Verstopfte Abflüsse verstärken das Problem auf mehrere Arten. Stehendes Wasser in Waschbecken, Duschwannen oder Bodenabläufen verdunstet kontinuierlich und erhöht so die Raumfeuchtigkeit. Gleichzeitig bieten feuchte Haare, Seifenreste und organische Ablagerungen im Siphon idealen Nährboden für Schimmelpilze und pathogene Bakterien wie Pseudomonas aeruginosa. Diese können bei gesunden Erwachsenen meist nichts ausrichten, bei immungeschwächten Personen, Kleinkindern oder älteren Menschen jedoch zu Infektionen der Atemwege oder Harnwege führen.
Schimmelpilze: Welche Arten wirklich gefährlich sind
Nicht jeder Schimmel ist gleich toxisch, aber keiner ist harmlos. Die häufigsten Arten in österreichischen Wohnungen sind Cladosporium, Aspergillus und Stachybotrys chartarum. Letzterer, oft als „schwarzer Schimmel“ bezeichnet, produziert Mykotoxine, die zu chronischen Entzündungsreaktionen der Atemwege führen können.
- Cladosporium: Häufig auf Fensterdichtungen und Fugen, löst vor allem Allergien und Asthmasymptome aus.
- Aspergillus: Bildet sich bevorzugt in Badezimmern und auf Lebensmitteln, kann bei Lungenerkrankungen invasive Aspergillosen verursachen.
- Stachybotrys chartarum: Wächst auf dauerhaft durchnässten Materialien wie Gipskarton oder Raufasertapete, gilt als besonders problematisch für Kinder und ältere Personen.
Eine Studie der Universität Wien aus dem Jahr 2019 stellte fest, dass in rund 28 Prozent der untersuchten Altbauwohnungen im städtischen Bereich Schimmelpilzbefall vorlag, der auf bauliche Feuchtigkeitsquellen zurückzuführen war. Schlechte Belüftung und nicht funktionierende Abwasserleitungen wurden dabei als Hauptfaktoren genannt.
Symptome, die auf Schimmelbelastung hinweisen
Das tückische an Schimmelerkrankungen ist ihre Unspezifität. Kopfschmerzen, anhaltende Müdigkeit, gereizte Augen oder ein trockener Husten werden selten mit der eigenen Wohnung in Verbindung gebracht. Typisches Muster: Die Beschwerden bessern sich im Urlaub oder nach mehrtägiger Abwesenheit und kehren kurz nach der Rückkehr zurück.
Besonders gefährdet sind Personen mit vorbestehenden Atemwegserkrankungen wie Asthma bronchiale oder COPD. Bei ihnen kann eine erhöhte Schimmelsporen-Konzentration von mehr als 500 koloniebildenden Einheiten pro Kubikmeter Luft messbare Lungenfunktionsverschlechterungen auslösen. Dieser Wert lässt sich mit handelsüblichen Schimmeltestsets oder professionellen Raumluftmessungen ermitteln.
Verstopfte Abflüsse als unterschätzte Feuchtigkeitsquelle
Der direkte Zusammenhang zwischen einem verstopften Abfluss und Schimmelbefall wird häufig übersehen. Dabei ist er mechanistisch klar: Wasser, das nicht abläuft, steht. Stehendes Wasser verdunstet. Verdunstung erhöht die Luftfeuchtigkeit. Hohe Luftfeuchtigkeit fördert Schimmelwachstum. Dieser Kreislauf betrifft besonders dicht besiedelte städtische Gebiete mit altem Leitungsnetz.
In Wien, wo ein erheblicher Teil der Wohngebäude aus der Gründerzeit stammt, sind verkalkte oder durch organische Ablagerungen blockierte Leitungen ein verbreitetes Problem. Für Bewohner in städtischen Bezirken wie dem zweiten gilt: Wer dauerhaft mit einem schlecht entwässernden Abfluss lebt, sollte nicht nur an die eigene Bequemlichkeit denken. Wer in der Leopoldstadt betroffen ist und nicht weiß, an wen er sich wenden soll, findet unter Abfluss verstopft in der Leopoldstadt einen lokalen Ansprechpartner. Das rasche Beheben einer Verstopfung ist letztlich auch eine präventive Maßnahme gegen Schimmelbildung.
Was Betroffene konkret tun können
Gegen Feuchtigkeit und ihre Folgen gibt es kein Universalmittel, aber eine klare Prioritätenreihenfolge. Zuerst müssen bauliche und technische Ursachen beseitigt werden, also verstopfte Abflüsse, undichte Rohre oder fehlende Dämmung. Danach kann das Lüftungsverhalten optimiert werden: dreimal täglich fünf Minuten Stoßlüften reduziert die Raumfeuchtigkeit nachweislich effektiver als stundenlang gekippte Fenster.
Sichtbarer Schimmelbefall auf Fliesen oder Dichtungen lässt sich mit einer zehnprozentigen Natriumhypochlorit-Lösung behandeln. Schimmel auf Putz, Tapeten oder Holz erfordert dagegen eine fachgerechte Sanierung. Eigenversuche mit Schimmelspray überdecken das Problem oft nur oberflächlich und verhindern nicht das Wiederauftreten, solange die Feuchtigkeitsquelle bestehen bleibt.
Checkliste für den Ernstfall
- Raumluftfeuchtigkeit mit einem Hygrometer messen (Zielwert: 40 bis 60 Prozent)
- Abflüsse in Bad, Küche und WC auf freien Durchfluss prüfen
- Siphons halbjährlich reinigen oder reinigen lassen
- Wandtemperatur an kritischen Stellen mit einem Infrarot-Thermometer messen (unter 12,6 Grad Celsius gilt als kritische Taupunktgrenze bei normaler Raumtemperatur)
- Bei mehr als 0,5 Quadratmetern Schimmelbefall einen Sachverständigen hinzuziehen
Rechtliche Aspekte in Mietwohnungen
In Österreich ist der Vermieter nach Paragraf 1096 ABGB verpflichtet, die Wohnung in brauchbarem Zustand zu erhalten. Schimmel durch bauliche Mängel, etwa durch undichte Außenwände oder defekte Leitungen, fällt eindeutig in seinen Verantwortungsbereich. Mieter sollten Schäden schriftlich und mit Fotos dokumentieren, den Vermieter per eingeschriebenem Brief informieren und eine angemessene Frist zur Behebung setzen. Bleibt dieser untätig, können Mieter in Wien die Schlichtungsstelle der MA 50 einschalten. Eine Mietzinsminderung ist bei nachgewiesenem, gesundheitsrelevanten Schimmelbefall möglich, setzt aber in der Regel eine behördliche oder gutachterliche Bestätigung voraus.
Feuchte Wände und träge Abflüsse sind selten Einzelphänomene. Wer eines bemerkt, sollte aktiv nach dem anderen suchen. Die Gesundheit der Bewohner hängt nicht zuletzt davon ab, wie konsequent diese wenig glamourösen Probleme angegangen werden.


